Warten auf den Zug...

Gedenkinstallation und Mahnmal, 28. Januar 2006 Hauptbahnhof Köln


Am 28. Januar 2006 präsentierten wir in der großen Halle des Kölner Hauptbahnhofs die Gedenkinstallation „Warten auf den Zug“. Vor dem Hauptbahnhof bauten wir das Mahnmal „die Schwelle“ auf.

Damit machten wir unsere Forderung nach einer Ausstellung innerhalb des Kölner Hauptbahnhofs über die Deportationen mit der Reichsbahn während des Nationalsozialismus öffentlich:

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Im Nationalsozialismus war das „Warten auf den Zug“ für Millionen Menschen verbunden mit Erniedrigung, körperlicher Misshandlung und Angst vor dem Tod. Auf den Schienennetzen der Deutschen Reichsbahn wurden mehr als drei Millionen Menschen in die Ver­nichtungslager deportiert. Von 11.000 Kindern aus Frankreich wurden die Todestransporte dokumentiert. Sie waren in den Jahren 1942-1944 meist nach Auschwitz verbracht worden. Bei ihrer letzten Fahrt durch Deutschland - meist in Güterwaggons gepfercht - warfen sie Abschiedsbriefe auf die Gleise, von denen einige erhalten geblieben sind. Bis auf wenige Ausnahmen fanden alle 11.000 deportierten Kinder den Tod. Eine Ausstellung über das Schicksal der Ermordeten hat die Unternehmensleitung der Deutschen Bahn AG, die die Reichsbahn übernommen hat, auf sämtlichen Reisebahnhöfe untersagt.

Das milliardenschwere Unternehmen, das der faktischen Kontrolle der Berliner Regierung untersteht, hat binnen eines Jahres sämtliche Appelle – selbst von jüdischen Überlebenden - zurückgewiesen, solch eine Ausstellung zu ermöglichen.

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Fotos und Dokumente der Kinder, so die schriftliche Begründung der Bahn, könnten „die Sicherheit der Reisenden und des Eisenbahnbetriebs“ beeinträchtigen, auch fehlten die finanziellen Ressourcen für eine solche Ausstellung. Wieder tauchen die Kinder als betriebswirtschaftliche Zahlen auf: Vier Pfennige pro Kilometer wurden der SS damals von der Reichsbahn in Rechnung gestellt. Die SS zahlte mit Geld, dass sie den Opfern abgepresst hatte. Etwa 40 Reichsmark kostete die „Fahrt“ von Paris nach Auschwitz. Geld das die Bahn in das Schienennetz zur Unterstützung des Krieges steckte.

Simon Gronowski enthüllte das Mahnmal in Beisein u.a. von Tamar Dreifuss und Marcel Nejschatten. Alle drei sind Überlebende des Nationalsozialismus. Dieses Mahnmal ist eine Schenkung an die Deutsche Bahn bzw. die Stadt Köln, ein Denkmal, dass auf die Notwendigkeit, historische Verantwortung zu übernehmen, aufmerksam machen soll. Gedenken ist nicht einfach nur ein Wort, sondern braucht auch einen Ort.

Nachdem das Mahnmal mehrmals seinen Standort wechselte, steht es heute in einer Ecke des Bahnhofsvorplatzes (auf dem Weg zwischen Haupteingang und Alter Wartesaal).

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